↑ Zurück zu Reiseberichte

Seite drucken

Rundflug durchs Paradies – Tahiti

Exklusiver Reisebericht unseres Clubmitglieds Manfred Kunz übers Fliegen in Tahiti

Text & Bilder: Manfred Kunz

Was soll man zu so einem „himmlischen“ Reisebericht noch sagen: Unbedingt lesen!!!

Die Eindrücke, die Manfred Kunz beim Fliegen über Tahiti schildert, sind atemberaubend und die Bilder, die dabei entstanden sind machen einfach nur neidisch – natürlich im postiven Sinn! Und das nicht nur wegen des schönen, warmen Wetters dort „unten“! Traumhafte Highlights die das Fliegerherz höher schlagen lassen…

Die Ankunft im paradiesischen Tahiti mit seinen Inseln muss kein Vergnügen sein, denn mit Start in Stuttgart über Paris CDG, Los Angeles International LAX bis Tahiti Faaa dauert die Reise bereits über 30 Stunden. Nach zwei weiteren Stunden Wartezeit fliegt man dann noch einmal 45 Minuten, um ins Seglerparadies der Inseln um Raiatea über den gleichnamigen Flugplatz zu kommen.

Nach drei Wochen Traumsegeln und Traumschnorcheln zwischen den Inseln Raiatea mit Tahaa, die innerhalb derselben Lagune liegen, weiter mit dem sehr ursprünglich gebliebenen Maupiti, dem nicht nur von den Filmen „Tabu“ und „Meuterei auf der Bounty“ her berühmten Bora Bora und zuletzt Huahine (kommt von Vahine: tahit. Frau), wächst der Wunsch, sich diese Wunderwelt auch vom Pilotensitz aus von oben anzusehen.

Telefonisch spreche ich mit Alain Yverdon vom ortsansässigen Flugclub einen kurzfristigen Termin für einen Flug um die Inseln Raiatea und Tahaa mit der clubeigenen Cessna 172 ab. Immer wieder schön, dass man diesen Flugzeugtyp rund um die Welt in den meisten Clubs findet und entsprechend dann immer wieder mit einem vertrauten Fluggerät unterwegs sein kann.

Alain holt mich am Nachmittag direkt an der Marina Apooiti von unserem Einmastsegler Moorings 433, einer 43 Fuß-Slup, ab und nimmt mich die zwei Kilometer mit zum Inselflugplatz. Unterwegs sprechen wir über Vorschriften und Flugvoraussetzungen in verschiedenen Ländern, wobei mein Flugbegleiter – meine Mitsegler haben ihr Desinteresse an einem Mitflug bekundet – bitter über die viele Bürokratie in diesem zu Frankreich gehörigen Teil der südlichen Welt klagt.

Nachdem eine der vielen Air Tahiti – Passagiermaschinen ATR 72 (es fliegen ATR und Dornier TurboProps zwischen den Inseln mit erstaunlich hohem Verkehrsaufkommen) gelandet ist und wir noch aus mehreren Fässern die beiden Tanks gut halbvoll gemacht haben, können wir – nachdem Alain ausgiebig mit dem Tower verhandelt hat – zum Start für die 07 rollen.

Es ist ein sonderbares Gefühl, sofort nach dem Abheben über türkisblauem Wasser zu schweben. Während des gesamten Steigfluges auf von ‚Radar’ vorgegebene 1.500 ft und danach im Überwasserflug, wechseln die Farben des Wassers zwischen dunkelstem Blau und unterschiedlichst leuchtenden Türkistönen. Auch innerhalb der Lagune ist das tiefe Wasser so dunkelblau wie draußen das Pazifikwasser. Wir Segler sagen zur Fortbewegung auf den großen Meeren dann auch Blauwassersegeln, selbst dann, wenn das Wasser nicht unbedingt blau ist.

Wir fliegen in einer Linkskurve zunächst um die kleinere der beiden Inseln –Tahaa- mit einem Durchmesser von etwa 4 NM großzügig, teilweise außerhalb des Riffs, herum. Das Wiedererkennen zuvor besuchter Buchten und Ankerplätze, sowie verschiedener Motu’s, wie die kleinen Inseln am Außenrand von Lagune oder Riff heißen, ist mit einer wunderbaren Rückerinnerung verbunden.

Blick vom Riff in die Bucht Haamene auf Tahaa

Wir fliegen im Westen von Tahaa über eine Gruppierung von Motus, mit denen es eine besondere Bewandtnis hat:

Bei jeder Pazifikwelle schwappt Wasser über das Riff in die Lagune. Zwischen zwei größeren Motus, auf einem davon ist das Traumhotel Tahaa in Bambusbauweise mit Einzelhütten erbaut, treibt einen eine Strömung von bis zu drei Knoten zwischen den Korallenköpfen durch. Dort zu schnorcheln ist für denjenigen, der das Glück hat, diese paradiesische Unterwasserwelt gezeigt zu bekommen, eine wirkliche Offenbarung. Kein zoologischer Garten hat so eine reiche Unterwasserwelt zu bieten, wie diese hier zwischen den Korallen im frischesten Pazifikwasser schwimmt. Dieser Reichtum an Arten, an Farben und auch an Anzahl der Fische und anderer Meerestiere ist für den nicht vorstellbar, der es nicht selbst gesehen hat. Fischchen mit Schleiern an allen Seiten, in allen Farben und Formen; neugierige vielfarbige Zebras, die sich furchtlos trauen, an die Scheibe der Taucherbrille zu schmatzen und einem in die Augen zu schauen, Muränen, die aus tiefen Höhlen in den Korallen herausschauen, Wal – förmige Fische in 30 cm Größe mit dicken Köpfen. Es ist wirklich kaum vorstellbar.

Motus vor Tahaa mit Hotel Tahaa oben links und dem Schnorchelparadies

Wir fliegen dann in einer Linkskurve in eine Bucht ein, um den Inselrücken nach Osten zu überfliegen. Dabei überfliegen wir dann ablandig die Bucht Haamene. An deren innerem Ende hat sich ein ehemaliger deutscher Fremdenlegionär, Monsieur Alfred, nach Ablauf seiner Dienstzeit mit seiner einheimischen Frau niedergelassen. Heute, siebzigjährig, züchtet er seit weit über zehn Jahren erfolgreich Vanille für den Weltmarkt auf kleinstem Raum.

Blick von Tahaa nach Raiateas Hauptort Uturoa und den Flugplatz rechts im Schatten

Weiter östlich, an der Nordseite der Bucht, hat „unser“ Perlenzüchter, einer der vielen Züchter der begehrten schwarzen Südseeperlen, seine Arbeitshütte auf Holzpfosten in die Bucht gebaut. Dort kann man von Land aus zu Fuß über Holzbohlen, oder, wie wir, mit dem Beiboot, zum Studium der Perlenzucht und natürlich vor allem zum Kauf dieser schönen Austernprodukte anlegen.

In einer langen Rechtskurve fliegen wir jetzt zwischen die beiden Inseln wieder nach Westen, nördlich am Flugplatz und der Marina vorbei. Die riesige Wasserfläche zwischen den Inseln ist reich bestückt mit Untiefen, die sich von oben in den wunderbarsten Blautönen präsentieren. Wie schön kann Fliegen sein!

Flugplatz Raiatea mit der Marina Apooiti im Vordergrund (leider beides im Schatten)

Die Westseite von Raiatea weiter nach Süden zu fliegen, stellt sich schnell als nicht empfehlenswert heraus. Südwestlich Raiateas hängt eines der vielen Regengebiete, die man mit dem Flugzeug meiden kann und auch wirklich soll. Man muss sich vorstellen, dass das Klima tropisch ist. Die Temperaturen liegen fast das ganze Jahr über bei etwa 32 Grad Celsius. Drei bis viermal am Tag holt einen mit dem Segelboot eine tiefschwarze Regenwolke ein (fliegend weicht man ihnen aus); die Welt scheint unterzugehen. Dann regnet es vielleicht zehn Minuten wie aus Kübeln – der erfahrene Südseesegler holt dann schnell sein Duschgel und nutzt diesen willkommenen Süßwassererguss zur Körperpflege. Ist man mit seiner Dusche fertig, ist meist auch der Regenschauer vorbei, die Sonne steht wieder am Firmament, die Luft hat sich auf etwa 28-29 Grad ‚abgekühlt’ und es weht wieder ein mäßiger Wind der Stärke 2 bis 3 (Beaufort). Kein Wunder, dass an Land die Natur üppig vegetiert. Bei uns unter schwierigen Bedingungen gezogene tropische Pflanzen, wachsen dort wild oder werden als Hecken gezogen.

Große Passe (Durchfahrt im Riff) im Osten von Raiatea Richtung Huahine

Wir Überfliegen die Insel also wieder mit Kurs Ost und fliegen erst an der Ostküste nach Süden über das Marea Taputapuatea, den größten historischen Kultplatz der Südsee mit drei riesigen mit Steinplatten belegten Plätzen, Erdofen, Gräbern und Glutlaufgang, auf dem Männer barfuss über die offene Glut gingen – und bei Vorführungen für Touristen auch heute noch gehen.

Wir fliegen über den südlichen Bergrücken direkt auf das lang gestreckte, im Süden querliegende Inselchen NouNou zu, vor dem wir am Vortag noch vor Anker genächtigt haben. Hier hat mich beim Schnorcheln in etwa 3 m tiefem Wasser plötzlich und nicht zum ersten Mal ein Riffhai begleitet, der mindesten so groß war, wie ich selbst. Da mich diese Art des Geleitschutzes nicht eben begeistert, habe ich ruhig beigedreht und bin zu unserer Yacht zurückgepaddelt. Ansonsten erstreckt sich auf der Insel über die ganze Länge eine Landebahn.

Insel NouNou aus Westen mit Landebahn (Moskitos nicht sichtbar)

Die Insel soll einem Deutschen gehören, dessen Name aber nicht genannt wurde. Darüber hinaus gibt es auf der Insel so viele Moskitos, dass Besucher abends die Insel zeitig vor Sonnenuntergang verlassen. Der Kontakt mit Moskitos ist aber sonst eher selten in dieser Region, da immer eine angenehme Brise weht; zumindest in der Zeit, in der es keine Hurrikane gibt.

In einer langen Linksschleife kehren wir zur Ostseite der Insel zurück, fliegen mit Nordkurs wieder zum Inselhauptort Uturoa und von dort in einer letzten Linksschleife zum Landeanflug zur 07.

Im Endteil zur 07 auf Raiatea (leider immer noch im Schatten)

Ich bin froh, dass ich Alain als Begleiter hatte, denn der dort übliche Funkverkehr hätte mich, trotz vertretbarer Französischkenntnisse, völlig überfordert. Obwohl wir kein anderes Fluggerät gesehen haben, hat Alain fast die ganzen 45 Flugminuten Sprechfunkverkehr gehabt.

Ein bemerkenswertes Erlebnis mit einer kleinen Maschine über dem Paradies. Am nächsten Morgen konnte ich das ganze auf dem Rückflug nach Tahiti an Bord einer der beschriebenen Verkehrsmaschinen noch einmal genießen.

Heimflug: Insel Huahine beim Rückflug nach Tahiti (aus der ATR 72 aufgenommen)

Beide Erlebnisse sind zur Nachahmung dringend empfohlen!

Tourist-Info Tahiti hier!


Permanentlink zu diesem Beitrag: https://aeroclub-hof.de/achpwp/reiseberichte/rundflug-durchs-paradies-tahiti/